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Ein Volksfest mit Kaiserwetter und neuen Rekorden

1516 Starter beim 32. Mühlener Silvesterlauf für „SgH“ / Viktor Kuk und Katharina Stark feiern jeweils ihren fünften 10-km-Sieg

Von Carsten Boning

Mühlen. Es war kurz vor halb vier am Dienstagnachmittag. Die letzten Läufer und Nordic Walker hatten soeben die Ziellinie auf dem Schützenplatz in Mühlen passiert, da erhielt David Nieuwenhuizen noch eine weitere gute Nachricht. Der Geschäftsführer von GW Mühlen und Moderator des 32. Silvesterlaufs für die OV/KSB-Aktion „Sportler gegen Hunger“ bekam die Bilanz der MHD-Crew zugesteckt: Ein Pflaster, das war’s. „Super, keine Verletzten, auch das können wir abhaken“, sagte Nieuwenhuizen. Später, als die letzten Aufräumarbeiten noch zu bewältigen waren, ergänzte er: „Wir sind durchweg zufrieden und erleichtert. Es hat alles funktioniert.“ Oh ja, das kann man so sagen. Der SgH-Klassiker im Reiterdorf hat seine sagenhafte Erfolgsstory fortgesetzt. Im achten Jahr in Folge starteten über 1000 Läufer in Mühlen. Und: Der Rekord aus dem Vorjahr mit 1509 Teilnehmern wurde noch mal verbessert. 1516 Läufer, darunter 34 Nordic Walker, lösten mit ihrem Chip an der Startlinie die Zeitmessung aus. Und hinzu kamen noch knapp 200 Wanderer, die nicht registriert wurden. „1516 Teilnehmer – wird sind total happy“, strahlte auch Klubchef Ralf Kröger mit der Mittagssonne um die Wette. Apropos Sonne: Das Kaiserwetter setzte dem Tag die Krone auf.

Kein Zweifel: Der Silvesterlauf war abermals ein famoser Abschluss des Heimatsport-Jahres. Das Motto „Das Beste zum Schluss“ wurde erneut mit Leben gefüllt. Sportler aus dem ganzen Kreis Vechta und umzu, Fußballer und Handballer, Volleyballer und Basketballer, Radsportler und Tennisspieler, waren gekommen, um 2019 sportlich ausklingen zu lassen – die einen ganz entspannt, die anderen mit irrem Tempo. Jung und Alt liefen zusammen, von U 8 bis W 70 und M 75. Und abseits der Strecken, vor allem zwischen dem Start-Ziel-Bereich und dem Festzelt, genossen die Teilnehmer und Besucher die lockere Atmosphäre. Das SgH-Event hatte erneut Volksfest-Charakter – mit rhythmischen Klängen von „Samba Laon“, mit Bratwurst und Pommes, mit kühlem Bier und 350 Liter heißem Tee. „Wahnsinn, was da wieder los war“, staunte auch Kristina Bröring-Sprehe. Die Team-Olympiasiegerin in der Dressur startete nach ihrer Babypause – Tochter Mila kam Ende August zur Welt – über 6,5 Kilometer. „Ich bin vorher viermal ein bisschen im Burgwald gelaufen. Mühlen ist immer ein toller Abschluss des Jahres. Man trifft so viele Leute, so viele Bekannte. Das ist immer schön. Und Onkel Franz sorgt danach für die Getränke, da verdurstet keiner“, sagte die 33 Jahre alte Dinklagerin.

Ein Bier als Lohn für die Strapazen hatte sich auch Walter Koldehoff redlich verdient. Der 66 Jahre alte Rekordteilnehmer aus Bakum, der zum 30. Mal in Mühlen am Start war, meinte nach seinem Lauf in Richtung Nieuwenhuizen: „Ich müsst mal richtig messen, die 6,5 Kilometer werden ja jedes Jahr länger.“ Koldehoffs langjähriger Weggefährte Otto Arlinghaus (70) aus Brockdorf war nach einer einjährigen Pause auch wieder über 6,5 km dabei – sein 29. Start.
In der „Königsklasse“ 10 Kilometer stürmten die Cracks der heimischen Läuferszene erneut zum Sieg. Viktor Kuk (Damme) und Katharina Stark (Lohne) waren das Maß aller Dinge, beide siegten zum fünften Mal in Mühlen. Kuk zog mit dem fünffachen Champion Andreas Kuhlen gleich. Stark liegt nun gleichauf mit Silvia Rolfes und Jutta Hugenberg und hat nur noch Rekordsiegerin Elke Bussmann (acht Erfolge) vor sich.

Kuk hatte sich zudem vorgenommen, seinen eigenen Streckenrekord aus dem Jahr 2013 (29:42 Minuten) zu verbessern. „Oh, das wird knapp“, sagte Kuk direkt im Ziel und zeigte auf seine Uhr. „29:41,9“ war dort zu lesen. In der offiziellen Ergebnisliste tauchte später ein 29:42 auf – Rekord eingestellt. „Ich bin zu schnell losgelaufen. Zwischen Kilometer sechs und acht hatte ich einen kleinen Hänger, der etwas Zeit gekostet hat. Die letzten zwei Kilometer waren dann wieder gut“, analysierte der 30-Jährige. Und dann lobte der Top-Mittelstreckler in Diensten der LG Braunschweig noch das SgH-Event an sich: „In Mühlen zu laufen, ist eine tolle Tradition. Es ist für mich so, wie um den Dümmer zu laufen. Und alles ist super organisiert.“ Sprach es – und verabschiedete sich nach der Siegerehrung im Festzelt zum Kofferpacken. An Neujahr ging’s mit der Freundin für einen viertägigen Urlaub nach Mailand.

Rang zwei belegte Vorjahressieger Andreas Bröring. Der Kroger war mit seiner Platzierung und seiner Zeit „sehr zufrieden“. In 32:32 Minuten blieb er über zehn Sekunden unter seiner Siegeszeit aus dem Vorjahr. Das gezielte Training ab November für den Silvesterlauf („Mühlen gehört für mich zu den Top 3 des Jahres“) habe sich gelohnt, so Bröring. Platz drei belegte Altmeister Elmar Nyhuis vom OSC Damme. Der Wahl-Kölner und Mühlen-Sieger von 2006 und 2007 überquerte nach 33:31 Minuten die Ziellinie. „Es war super“, sagte der 49-Jährige zufrieden: „Viktor läuft in einer anderen Welt. Und auch Andreas ist über zehn Jahre jünger, das ist eine andere Dynamik, eine andere Liga. Aber ich bin sehr zufrieden.“ Für Nyhuis war der Silvesterlauf ein wichtiger Test für die Cross-Landesmeisterschaft am 9. Februar in Damme.

Kurz nach Nyhuis kamen die beiden Top-Frauen des Tages ins Ziel. Katharina Stark hatte auf ihrem Weg zum fünften Sieg in Serie schwer zu kämpfen. Die 27-Jährige, die für BW Lohne und den VfL Wolfsburg startet, hatte in Gemma Llabres-Busch eine echte Widersacherin. „Das war ein knappes Ding, ein richtig starkes Rennen. Wir sind beide ziemlich ans Limit gegangen. Am Ende hatte ich den etwas längeren Atem“, sagte Stark und berichtete von der „größten Anstrengung bei einem Sieg in Mühlen“. Und: In 34:56 Minuten knackte sie die 35-Minuten-Schallmauer und verbesserte ihren Streckenrekord aus dem Vorjahr noch mal um sieben Sekunden. Jene 35:03 Minuten wurden am Dienstag auch für Gemma Llabres-Busch gemessen. „Das war ein tolles Rennen“, sagte die 21 Jahre alte Medizin-Studentin aus Palma de Mallorca, die über die Weihnachtstage und Silvester wieder bei ihren Großeltern in Vechta zu Besuch war. 2018 hatte sie in Mühlen über 6,5 km mit neuem Streckenrekord (24:46) gewonnen. Nun also die Premiere über 10 km. „Katharina war die ganze Zeit vor mir. Ich hab‘ mich gefreut, dass ich so lange mithalten konnte. Aber am Ende war sie dann einfach stärker“, sagte die Zweitplatzierte, die heute in ihre spanische Heimat zurückfliegt. Rang drei ging an Inga Hintze, die zum sechsten Mal in Folge auf dem Podium landete (3./2./3./2./2./3.) – auch das eine überaus beachtliche Leistung.

Über 6,5 km siegten Alexander Hasselbach (Damme) und Julia Fangmann (Lohne), über 3 km waren derweil Arne Vink und Zoe Schubert (beide OSC Damme) die Nummer eins. Das Entzerren des Startbereichs durch zwei Startzeiten (14.00 Uhr für 10 km, 14.10 Uhr für 6,5 und 3 km) kam nach der Premiere im Vorjahr auch diesmal gut an.

Ein gelungenes Debüt feierte unterdessen das Delmenhorster Unternehmen „Runtiming“, das erstmals den Ergebnisdienst bei diesem XXL-Event übernahm. „Es hat tadellos funktioniert, alles tippi toppi“, sagte Nieuwenhuizen. Dank der neuen Technik konnte er per Tastatur die Startnummern eingeben und bekam rechtzeitig vor der Ziellinie den Namen auf den Bildschirm. Die Zeiten der windanfälligen Zettelwirtschaft auf dem Regiewagen sind vorbei. Auch mit der Nordwestbahn lief alles glatt. Die beiden Bahnübergänge auf der 10-km-Strecke wurden von der Polizei und der Feuerwehr abgesichert – und für das Dutzend Läufer, die vor den Schranken kurz warten mussten, gab’s später eine exakte Zeitgutschrift. „Auch da hatten wir keinerlei Probleme“, sagte Nieuwenhuizen, der vor dem Start noch per Handy-App die Fahrzeiten der Bahn kontrolliert hatte. Dass der Zug in Richtung Osnabrück ausfiel, kam den GWM-Machern sehr gelegen. Kein Wunder also, dass Nieuwenhuizen am Ende glücklich festhielt: „Wir freuen uns auf den Silvesterlauf 2020.“

Bild: Läufer ohne Ende – und viele Zuschauer: Eine Szene vom 10-km-Start beim 32. Silvesterlauf von GW Mühlen. Foto: Schikora