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Frauen geben beim Fest des Sports das Tempo vor

24. OV-Sportler-Ehrung: Damen aus Dinklage, Visbek und Vörden feiern bis in die Nacht / Für einen Abend raus aus der Filterblase

Von Andreas Hammer

Vechta. Irgendwann kurz nach Mitternacht unterzogen die A-Jugend-Handballerinnen des TV Dinklage ihren riesigen Siegerpokal noch einmal einem ultimativen Belastungstest. Geschätzte zwei Liter Kaltgetränk, ein Dutzend bunter Strohhalme, und dann machte die Trophäe langsam die Runde im Saal Sextro. Ergebnis: Keine Beanstandungen, der Pokal war dicht.

Weil das in der Vergangenheit nicht immer so war bei der OV-Sportler-Ehrung, hatte Theo Moormann vom Lieferanten Sport Böckmann die Pokale diesmal eigens mit Dichtungsringen versehen lassen, wie OV-Sportchef und Moderator Franz-Josef Schlömer in seiner Begrüßungsrede versicherte. Eine sinnvolle Maßnahme, wie sich am Montagabend zu später Stunde herausstellte.

Zum 24. Mal hatten die Oldenburgische Volkszeitung und der Kreissportbund Vechta die Elite des Heimatsports nach Oythe eingeladen. Gut 190 geladene Gäste kamen und brachten den Saal Sextro an die Grenzen seiner Aufnahmekapazität. Und wie immer beim großen Fest des Sports gaben vor allem die Mannschaften im Anschluss an die Bekanntgabe der Sportler des Jahres richtig Gas. DJ Ohrwurm alias Heiner Olberding lieferte in bewährter Manier den Soundtrack dazu.

Zunächst standen aber die Sportler im Mittelpunkt. Die OV-Sportredaktion hatte aus einem überragenden Teilnehmerfeld die Springreiterin Laura Klaphake, den Fußballer Luc Ihorst und die Dinklager Nachwuchshandballerinnen zu den Sportlern des Jahres 2017 gewählt. „Das ist eine große Ehre für mich, hier in meiner Heimat“, freute sich Luc Ihorst über die Auszeichnung. Derzeit kann der Torjäger von Werder Bremens A-Jugend wegen einer leichten Schambeinentzündung nicht trainieren – was sich in diesem Fall als Glücksfall erwies. „Nur durch die Verletzung kann ich hier sein“, berichtete der 17-jährige Stürmer aus Dümmerlohausen, ehe er sich von seiner Mutter Kerstin zurück nach Bremen bringen ließ. Für den Elftklässler des Gymnasiums Links der Weser stand am Dienstagmorgen schon wieder Unterricht an. Kunst, 1. Stunde. Da war nicht viel mit Feiern.

Auch Laura Klaphake, die zum zweiten Mal nach 2010 triumphierte, nahm den Siegerpokal mit einem strahlenden Lächeln entgegen. „Das hat mich sehr gefreut“, sagte sie und versprach, die Trophäe werde daheim in Mühlen einen Ehrenplatz erhalten. Sportlich geht es für die 24-Jährige im März weiter, wenn sie mit ihrem Freund Patrick Döller, ihrem Bruder Enno und fünf Pferden für drei Wochen nach Oliva in Spanien fährt.

In Oythe genoss die Reiterin, die selbst zwölf Jahre bei GW Mühlen Handball gespielt hat, vor allem den Austausch mit den anderen Sportlern. „Ich habe hier mit den Fußballern geredet, mit den Basketballern, mit den Triathleten – das ist echt super interessant“, sagte sie. Und brachte damit das Besondere der Sportler-Ehrung auf den Punkt: Das ganze Jahr über bewegen sich die Sportler überwiegend in der Filterblase ihrer Disziplin – bei der Ehrung sitzen dann Turner neben Speedway-Fahrern oder Handballer neben Golfern, erhalten Einblicke in fremde Sportwelten – und staunen oft genug über das Niveau des Leistungssports im Kreis Vechta.

Bei den Frauen etwa ließ Laura Klaphake mit Tennistalent Julia Middendorf und Bundesliga-Handballtorfrau Madita Kohorst zwei absolute Topkandidatinnen knapp hinter sich. Beide wären ebenfalls würdige Sportlerinnen des Jahres gewesen. Und auch bei den Männern war das Niveau in den Top 5 mit Junioren-Nationalspieler Ihorst, Basketballer Philipp Herkenhoff, Golfer Hinrich Arkenau, Läufer Viktor Kuk und Bahnsportler Lukas Fienhage beeindruckend.

Beim anschließenden Partygeschehen gaben naturgemäß die Teams das Tempo vor. Und hier erwiesen sich vor allem die Damen als absolute Feierbiester. Das Buffet war noch nicht ganz abgeräumt, da hatten Dinklages Handballerinnen um Luca Vodde und Leonie Kohorst die Tanzfläche schon in Beschlag genommen. Aber auch die Tennisdamen des TV Visbek mit Wirbelwind Julia Middendorf und die Basketballerinnen des TV Vörden feierten munter mit und stellten sich als absolute Bereicherung für den Abend heraus. Der dramatische Frauenüberschuss im Saal trübte die Partystimmung der Damen nicht im geringsten. Zu vorgerückter Stunde waren die Männer nur noch durch eine Handvoll Oyther Fußballer auf dem Parkett vertreten. Den Damen war’s egal. Hätte sich Heiner Olberding um 3.00 Uhr in der Früh nicht in den verdienten Feierabend verabschiedet – die Mädels aus Dinklage und Vörden würden wohl jetzt noch zu irgendwelchen Mallorca-Hits übers Parkett fegen.

Die TVD-Mädchen unterbrachen ihre Tanzeinlagen gelegentlich nur, um mit ihren Handys ein paar Fotos und Videos zu machen und nach Südafrika zu schicken. Zu ihren urlaubenden Meistertrainern Andreas und Hiltrud Espelage. „Die ärgern sich natürlich, dass sie nicht dabei sind“, berichtete Leonie Kohorst: „Aber sie haben uns schon ganz liebe Nachrichten geschickt.“ Weit weg und doch live dabei. Heute kein Problem mehr. Nur ihren Pokal mussten die Mädchen ohne die Trainer leeren. Aber Kaltgetränke gibt’s bestimmt auch in Südafrika.

Bild: Die Kapitäne und ihre Trophäen: Von links Daniela Pesch (TV Vörden Basketball), Melanie Nieberding, Luca Tappe (beide OSC Damme Sportakrobatik), Barbara Schneider (TV Visbek Tennis), Leonie Kohorst (TV Dinklage Handball WJA), Fabian Meyer (VfL Oythe Fußball) und Bettina Wichmann (In Motion SFN Vechta). Foto: Schikora