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„Sportler gegen Hunger“: Eine kleine Reise durch die Projektregion Boreda

Die OM-Medien/KSB-Aktion setzt auf Ganzheitlichkeit in einer Projektregion der Stiftung „Menschen für Menschen“ in Äthiopien – und es geht gut voran. Ein Reisebericht mit Eindrücken aus der Gegend.

Es ist eine Premiere in der Historie von „Sportler gegen Hunger“. Erstmals setzt die OM-Medien/KSB-Aktion, die sich seit dem 1. Dezember in ihrer 41. Saison befindet, auf einen ganzheitlichen Ansatz in einer Projektregion der Karlheinz-Böhm-Stiftung „Menschen für Menschen“ (MfM). Das heißt konkret: Die VEC-Heimatsport-Initiative fördert alle fünf Säulen des bewährten MfM-Konzepts (Bildung, Gesundheit, Wasser, Landwirtschaft, Einkommen).

Vor gut einem Jahr wurde die Vereinbarung getroffen, dass die nächsten SgH-Erlöse zweckgebunden in die neue MfM-Projektregion Boreda fließen. Der Bezirk Boreda liegt 400 km südlich von Addis Abeba, er hat rund 100.000 Einwohner, er ist 464 Quadratkilometer groß und erstreckt sich auf einem Hochplateau mit einigen niedrigen Hügeln in circa 2250 Meter Höhe.

Ein kleines Wäldchen wächst und gedeiht: Ein Foto vom Wiederaufforstungsprojekt Awsato Abaya. Foto: MfM/ Elyana Schwarz-Lankes

Elyane Schwarz-Lankes, Mitarbeiterin bei MfM, hat die Region besucht und der OM-Medien-Sportredaktion einige Eindrücke vom „integrierten ländlichen Entwicklungsprojekt Boreda“ geschickt. Boreda ist seit 2023 eine von zwölf MfM-Projektregionen und wird nun mindestens drei Jahre lang von SgH unterstützt. MfM-Chef Dr. Sebastian Brandis attestierte dem Bezirk zu Beginn der neuen SgH-Saison ein „riesiges Potenzial“ und begründete diese Einschätzung mit den „sehr vorteilhaften ökologischen Voraussetzungen“.

Die Reise von Elyane Schwarz-Lankes begann mit einem Flug nach Arba Minch, in die „Stadt der 40 Quellen“ im Süden Äthiopiens. Nach einer zweistündigen Fahrt über Allwetterstraßen ins Hinterland, weg vom Abaya See, war Zefine das erste Etappenziel. Im Hauptort des Bezirks Boreda ging es in Begleitung von Tesfa Gebrekidan, MfM-Manager in Boreda, zur Baustelle der fünften SgH-Schule, zur „Zefano Higher Secondary School“ für über 1000 Schüler der Klassen 9 bis 12. „Der Fortschritt ist seit meinem letzten Besuch im März erstaunlich“, teilte Elyane Schwarz-Lankes mit. Der Neubau, der im Juni 2024 startete, besteht aus drei Gebäuden mit jeweils vier Klassenräumen, einem Verwaltungsgebäude mit Bibliothek und IT-Raum sowie zwei Latrinen-Einheiten. Wenn alles weiter störungsfrei läuft, kann die fünfte SgH-Schule bereits im März oder April eröffnet werden.

Eine gute Ernte bahnt sich an: Ein Blick auf die Agroforstwirtschaft von Shege Shati. Foto: MfM/ Elyana Schwarz-Lankes

Das zweite Ziel der Reise war Lenke Lenda. Ein Bauer, der mit Hilfe der MfM-Entwicklungsberater nun auf 0,25 Hektar Land Kaffee anbaut. 500 Setzlinge hat er angepflanzt, mit der ersten Ernte rechnet er in zwei Jahren. Auf seinem Land stehen auch einige große Bäume, die Schatten spenden und die „Agroforstwirtschaft“ ermöglichen. Diverse Feldfrüchte wachsen auf unterschiedlichen Ebenen. Lendas Familie kann sich nährstoffreicher ernähren – und den Überschuss verkauft er auf dem Markt. „Er hat jetzt mehr Einkommen“, berichtete Elyane Schwarz-Lankes.

Danach ging’s weiter zu einem Wiederaufforstungsprojekt. Im Schutzgebiet Awsato Abaya, das 34 Hektar groß ist, wurden bislang 6,83 Hektar mit Mischbaumsetzlingen bepflanzt. „Die Bäumchen sind sichtlich in die Höhe geschossen“, freute sich Elyane Schwarz-Lankes über ein „kleines Wäldchen“. Der nächste Halt: Shege Shati. Ein weiterer Bauer, der von MfM 450 Kaffee-Setzlinge erhalten hat und auf 0,5 ha Land eine Agroforstwirtschaft mit Kaffee, Avocado, Bananen, Papaya und verschiedenen Gemüsesorten betreibt. Der Clou bei ihm: die Wurmkompostierung. Seit Anfang 2024 haben MfM-Mitarbeiter bei über 1100 Bauern in vier Projektgebieten diese Art der Kompost-Produktion eingeführt. „Die Bauern sind begeistert, da sie nun reichhaltigen und natürlichen Dünger anwenden können, der nichts kostet“, so Elyane Schwarz-Lankes.

Ein Erfolgsrezept in Boreda: Die Methode der Wurmkompostierung. Foto: MfM/ Elyana Schwarz-Lankes

Die Würmer benötigen nur die richtige Mischung an Zugaben aus Kuhdung, grünen Blättern, Ernteabfällen und Feuchtigkeit. Die Überproduktion verkaufen die Bauern auf dem Markt. Gleiches gilt für die Würmer, da sie sich schnell vermehren. Die MfM-Koordinatoren für nachhaltige Landwirtschaft und Monitoring/Evaluation berichteten von positiven Veränderungen beim Wachstum und beim Geschmack von Obst, Gemüse und Getreide. Da die Preise für künstlichen Dünger stark gestiegen sind, „kam die Methode der Wurmkompostierung wie gerufen“, so Elyana Schwarz-Lankes.

Zum Abschluss der Tagestour besuchte sie zunächst eine Gruppe von Bauern, die in verbesserte Imkerei eingeführt wurden. Die Kursteilnehmer lernten, einen „verbesserten Bienenkorb“ für 10 bis 20 kg Honig zu bauen. Mit dem traditionellen Bienenkorb, der in einem Baum aufgehängt wird, konnten nur 2,5 bis 5 kg Honig geerntet werden. Auch die Wachsproduktion bringt den Bauern ein gutes Einkommen.

Ein Treffen der Honig-Bauern: MfM bietet Imker-Schulungen an. Foto: MfM/ Elyana Schwarz-Lankes

Letzte Etappe war dann die im ersten Halbjahr 2024 fertiggestellte Quellfassung Godere. Sie versorgt 194 Haushalte mit 2536 Personen mit hygenisch einwandfreiem Trinkwasser. Die Quelle ist so stark, dass Wasser über Rohre zu weiteren Entnahmestellen in anderen Gemeinden geleitet werden soll. Auch ein Kanal zur landwirtschaftlichen Bewässerung sei geplant, so Elyane Schwarz-Lankes.

Beitragsbild: Alltag in Boreda: Shege Shati pflanzt einen Avocado-Setzling. Fotos: MfM/Elyane Schwarz-Lankes