Schulbau

„Sportler gegen Hunger“ startet in die 41. Saison: So geht’s in der Projektregion Boreda voran

Die Heimatsport-Initiative setzt in der äthiopischen Projektregion auf Ganzheitlichkeit. Was alles schon umgesetzt wurde und was noch alles geplant ist.

Es geht voran – und zwar mit großen Schritten. Die fünfte Schule von „Sportler gegen Hunger“ in Äthiopien nimmt immer konkretere Formen an. Die „Zefano Higher Secondary School“ in der Region Boreda, die 400 Kilometer südlich von Addis Abeba in der Goma Zone liegt, hatte beim letzten Zwischenbericht vor einem Monat einen Baufortschritt von exakt 61,68 Prozent. Das teilte die Stiftung „Menschen für Menschen“, die seit 1984 von der OM-Medien/KSB-Aktion bei ihrer Arbeit in Äthiopien unterstützt wird, unmittelbar vor dem offiziellen Start der 41. SgH-Saison am 1. Dezember mit. Die MfM-Bauabteilung in Addis Abeba sei mit dem Tempo „sehr zufrieden“, hieß es. Begonnen wurde vor einem halben Jahr, das geplante Datum für die Fertigstellung ist März 2025. „Das ist bemerkenswert schnell“, teilte die Stiftung mit.

Die Zefano HSS soll nach der Fertigstellung die neue Heimat für über 1000 Schüler der Klassen 9 bis 12 sein. Der Neubau besteht aus drei Gebäuden mit jeweils vier Klassenräumen, einem Verwaltungsgebäude mit Bibliothek und IT-Raum sowie zwei Latrinen-Einheiten. Der Schulbau ist allerdings nur ein Schwerpunkt der aktuellen SgH-Hilfe in Boreda. Erstmals setzt die VEC-Heimatsport-Initiative in einem Projektgebiet von MfM auf die Ganzheitlichkeit, also auf alle fünf Säulen des MfM-Konzepts (Gesundheit, Wasser, Landwirtschaft, Bildung, Einkommen).

Alle packen mit an: Für die Öfen muss Holz geholt werden. Foto: MfM/Rainer Kwiote

Der Bezirk Boreda, der rund 100.000 Einwohner hat, ist 464 Quadratkilometer groß und erstreckt sich auf einem Hochplateau mit einigen niedrigen Hügeln in circa 2250 Meter Höhe. Der Abaya See, der Teil der Seenkette ist, die sich durch den afrikanischen Graben zieht, ist nicht weit entfernt von Boreda. In den zwei Regenzeiten – der größeren von Juni bis Oktober, der kleineren von Februar bis Mai – fällt durchschnittlich 1500 mm Regen im Jahr.

„Die Region hat auch wegen der sehr vorteilhaften ökologischen Voraussetzungen ein riesiges Potenzial“, erklärt MfM-Vorstandssprecher Dr. Sebastian Brandis. Boreda ist erst seit 2023 eine von aktuell zwölf Regionen, in denen die Stiftung tätig ist. „Wir sind begeistert über die aktive Beteiligung der Bevölkerung. Gerade wegen des hohen Engagements der Partner vor Ort kommen wir sehr gut voran“, erklärt Brandis gegenüber SgH.

Kaffee aus Boreda: In der Baumschule von Chelbe werden Kaffee-Setzlinge herangezogen. Die Unterstützung von landwirtschaftlichen Projekten steht auch auf der Boreda-Agenda von SgH. Foto: MfM/Rainer Kwiotek

Grundsätzlich kommt Äthiopien aber nur schwer zur Ruhe. „Seit dem Ende des Krieges mit Truppen aus Tigray kommt es weiterhin zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Einheiten der Zentralregierung und Rebellengruppen im Regionalstaat Amhara und im Regionalstaat Oromia“, teilte die Stiftung mit. Wirtschaftlich wurde dem Land von Seiten der Weltbankgruppe ein Wirtschaftswachstum von knapp acht Prozent für 24/25 vorausgesagt, nach 7,2 Prozent für 22/23. Brandis sagt zur politischen Lage: „Die Situation beruhigt sich im Land zunehmend, auch wenn es immer noch einige Regionen gibt, in denen die Auseinandersetzung zwischen Rebellen und der nationalen Armee weiter anhält. Nach Ijaji, was jahrelang schwer zu bereisen war,  bin ich selbst im November 2023 gefahren, um ein großes Wassersystem in Betrieb zu nehmen.

Im Süden, wo sich das neue Projekt von SgH befindet, ist die Lage aber seit Jahrzehnten stabil und es gibt keine Anzeichen, dass sich das ändern sollte.“ Und mit Blick auf die wirtschaftliche Situation von Äthiopien ergänzt der MfM-Vorstand: „Den Wechselkurs im August 2024 dem freien Markt zu überlassen, war ein historischer Schritt für das Land und hat die weitere Öffnung der Wirtschaft auch für internationale Investoren nochmal manifestiert. Für uns bedeutet es jetzt, dass wir mit den eingesetzten Spenden noch mehr vor Ort umsetzen können, aber für die Bevölkerung mit wenig Einkommen ist die Situation dadurch nicht leichter geworden, weil Importware dadurch wesentlich teurer geworden ist, wie zum Beispiel Diesel für die Fahrzeuge oder Arzneimittel.“

Warten auf Wasser: Eine Mutter mit ihren zwei Kindern. Foto: MfM/Rainer Kwiotek

Auch die 41. SgH-Saison läuft wieder bis Ende Februar. Diverse große und kleine Klassiker sind bereits terminiert, weitere werden folgen und können per Mail an sport@om-medien.de gemeldet werden. Neben der Arbeit von MfM in Äthiopien wird SgH mit dem Erlös des Winters 24/25 auch die Arbeit von VEC-Missionsvertretern in anderen afrikanischen Ländern unterstützen. Am Erfolgsrezept der OM-Medien/KSB-Aktion wird also auch beim Start ins fünfte SgH-Jahrzehnt nicht gerüttelt.

Fakten zu „Sportler gegen Hunger“

  • Die im Dezember 1984 gegründete OM-Medien/KSB-Aktion „Sportler gegen Hunger“ hat bislang insgesamt 6,088 Millionen Euro für die Ärmsten der Armen in Afrika gesammelt.
  • Die Stiftung „Menschen für Menschen“, die vom früheren Schauspieler Karlheinz Böhm gegründet wurde und seit 1981 in Äthiopien tätig ist, erhielt bisher 3,634 Millionen Euro aus dem SgH-Topf.
  • 1,927 Millionen Euro flossen seit 2014 zweckgebunden in sechs große Bauprojekte von SgH und MfM.
  • Es wurden vier Schulen in Kelecha Jibat, Dobi, Worre Illu und Ijaji/Illu Gelan gebaut. Alle vier Schulen sind in Betrieb. Das kleinstädtische Wasserversorgungssystem für Awedi Gulfa wird noch gebaut, es ist aber bereits komplett finanziert.
  • Seit 1994 unterstützt SgH auch Missionsschwestern aus dem Kreis Vechta, die seit Jahrzehnten in afrikanischen Ländern tätig sind. Sie erhielten bisher 2,06 Millionen Euro aus den SgH-Erlösen.
  • In den Anfängen von SgH wurden auch noch drei weitere Organisationen unterstützt: die Überlebenshilfe Sudan, Terre des Hommes und die Welthungerhilfe (in Summe rund 393.000 Euro).
  • Die 41. SgH-Saison startet am 1. Dezember 2024 und endet offiziell Ende Februar 2025. SgH-Veranstaltungen, die ab März stattfinden, werden für die Saison 25/26 gebucht.
  • SgH und MfM haben vor gut einem Jahr eine Vereinbarung getroffen, dass die nächsten SgH-Erlöse zweckgebunden in die neue MfM-Projektregion Boreda (400 km südlich von Addis Abeba) fließen. Neben dem Neubau einer fünften SgH-Schule („Zefano Higher Secondary School“), der im Juni 2024 gestartet wurde, gibt es Maßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft, Wasser, Gesundheit und Einkommen. Die Vereinbarung läuft zunächst über drei Jahre.

Beitragsbild: Eine schöne Landschaft – aber auch große Armut: Ein Foto aus der MfM/SgH-Projektregion Boreda. Foto. MfM/Rainer Kwiotek